GrundEinkommen
 und / oder GrundErbe 
 
Während sich die Ziele des Grunderbes und des Grundeinkommes, die im Hinblick auf die Lebensqualität Menschen erreicht werden sollen, zumindest überschneiden, sind doch die Ansätze dazu sehr verschieden:

Während das Grunderbe abzielt auf eine angemessene Beteiligung eines/einer jeden an dem "was da ist", also an der Substanz, die die Erde uns allen bietet und für die sich kein lebender Mensch geplagt hat, zielt ein  Grundeinkommen auf eine laufende Versorgung, auf einen laufenden Anteil an der Wirtschaftsleistung des Landes. Das Problem dabei ist, dass es damit (auch) auf die laufende Arbeitsleistung der Mitmenschen zielt. Vor allem von dort her kommen auch die Widerstände.
 
Ob jemand ein legitimes Recht auf die Arbeitsleistung seiner Mitmenschen beanspruchen kann, ohne die Verpflichtung zu einer entsprechenden Gegenleistung einzugehen, ist tatsächlich fraglich. Ein Beispiel soll das verdeutlichen:
 
In dem Dörfchen Patar im afrikanischen Sénégal, ist (oder war zumindest vor 20 Jahren) ein 40 m tiefer Brunnen. Er ist gemauert, hat einen Durchmesser von ca. 2 m liefert ein ausgezeichnetes Wasser und davon endlos viel.
 
Wir bauten eine Winde mittels der 2 Mann unter Anstrengung aber doch effktiver als die Frauen mit ihren Rollen das Wasser nach oben bringen konnten. Mein Vorschlag war, das so geförderte Wasser zu verkaufen, was auf ziemliche Proteste stieß: Wasser sei grundsätzlich für alle da und nicht verkäuflich.
 
Grundeinkommen meint in diesem Beispiel:
Jeder bekommt gratis eine Mindestmenge des geförderten Wassers, eventuell sogar frei Haus.
 
Grunderbe meint: 
Jeder hat einen Anspruch auf einen angemessenen Anteil an dem von den Vorfahren hinterlassenen Brunnen; und natürlich an dem Wasser, aber dort wo es natürlicherweise sich befindet: unten im Brunnen.
 
Einen begründbaren, natürlichen Anspruch eines jeden menschlichen Individuums auf einem Anteil an den vorhandenen Ressourcen der Erde gibt es allemal: Allein weil jemand da ist in der physischen Welt, und weil er darin atmen, essen und wohnen muss, aus seinem reinen Geborensein also hat er den Anspruch auf einen angemessenen Teil des Vorhandenen. Und gleichzeitig hat er diesen Anspruch, weil er seinen Mitmenschen bzw. der Gesellschaft gegenüber einen Anspruch auf Gleichbehandlung hat. 

Nochmal: Einen angemessenen Teil vom (Ur-) Wald mit seinem Holz und wildwachsenden Beeren beanspruche ich schon, aber ein Recht darauf, dass mir einer sie pflückt und nach Hause bringt, am besten das Brennholz gleich mit, das habe ich wohl nicht.
 
Wenn man dennoch ein Recht auf ein Grundeinkommen formulieren wollte, dann wäre das eine Art Ersatzrecht: Der große, vom Erben ausgeschlossene Teil der Bevölkerung könnte sich vor dem reichsten Zehntel der Bevölkerung, das den übergrößten Teil  der Republik besitzt, aufbauen und zurecht sagen: "Ihr, die ihr euch alles was wir brauchen um uns selber unser Auskommen zu verschaffen unter den Nagel gerissen habt und es nicht hergeben wollt: Bitteschön, dann ist es nur recht wenn ihr für uns sorgt".
 
Das aber wäre nicht das natürliche, originäre Recht das wir von Geburt her haben, sondern sein Ersatz. Damit wäre das Grundeinkommen also eine Prämie für den Verzicht auf unser Erbe, auf unseren natürlichen Anteil an der Welt.
 
Da stellt sich natürlich die Frage: Warum fordern wir nicht zuerst unser originales Recht auf einen angemessenen Anteil, also ein Grunderbe? Trauen wir uns nicht zu das Wasser zu fördern, die Beeren zu pflücken und das Holz zu spalten? Warum sollen wir die Forderung von Bettlern stellen?
 
Schließen wir das oben genannte Ersatzrecht einmal aus, dann gilt: Wenn es je zu einem Grundeinkommen oder vergleichbaren Leistungen (eventuell Bürgergeld, Grundsicherung etc.) kommt, was ich auf einem niedrigen Niveau immer noch gut finden könnte, dann wird es kein (natürliches echtes) Recht sein, sondern ein Geschenk. Ein Geschenk der Arbeitenden und Besitzenden an diejenigen, die die Sache mit dem Geldverdienen nicht so gut hinkriegen. Doch, zweifellos, Geschenke sind eine gute Sache - wenn sie als solche wahrgenommen werden können. Ob unsere Gesellschaft schon soweit ist, dass sie auf Seiten der Verdienenden diese Großzügigkeit aufbringen kann, als auch bei den Annehmenden die entsprechende Dankbarkeit? Oder auch nur die Bescheidenheit, die für die Annahme eines Geschenkes doch erforderlich ist, und aus der allein die Freude über dieses Geschenk entspringen kann? Weitere Frage: Bis zu welcher Höhe mag das Geschenk der Dauerfürsorge ein Segen für den Beschenkten sein und wo beginnt der Schaden?
 
Der wesentliche praktische Unterschied zwischen Grunderbe und Grundeinkommen scheint mir der sein dass, selbst wenn ein Grundeinkommen (auf höherem Niveau) funktionieren würde, dass dann viele Menschen ins (möglicherweise durchaus erträgliche) Abseits gestellt würden: "Wir machen, und ihr gebt (politische) Ruhe". Ein gesicherter Konsum kann aber nicht eine echte reale Mitbeteiligung an der Macht und den Entscheidungen auf allen Ebenen in der Republik ersetzen. Dazu braucht es Eigentum und Erfahrungen die in der Regel nur mit dem Eigentum zusammen gemacht werden können.
 
Eine Gesellschaft, die zerfällt in eine Schicht, die die Republik managt und alles bestimmt, einschließlich der Meinung -soweit diese mit Geld manipulierbar ist- und in eine, die durch Brot und Spiele (und manipulierte Meinung) ruhig gestellt wird, ist für alle nicht befriedigend, und bleibt auch instabil. Der Mensch ist ein zum Gestalten berufenes Wesen; dazu braucht er die Möglichkeiten. Das Problem der immer weiter gehenden Konzentration des Kapitals und damit der Gestaltungsmacht auf wenige wird von einem Grundeinkommen nicht angegangen; vom Grunderbe schon.
 
 
In Patar im Sénégal war die Geschichte übrigens so ausgegangen: Am Anfang wurde eifrig gedreht und Wasser gefördert und einige legten neben dem Brunnen sogar Gärten an. Nach einiger Zeit der Anstrengung ohne richtigen Lohn, erlahmte der Eifer doch schon. Als dann noch das Seil riss und der Spender der Winde keinen Bock mehr hatte noch Geld in die Geschichte zu stecken, gab man die Sache meines Wissens auf.
 
Die Winde wird irgendwo vor sich hinrosten oder jemand hat sie in seine Hofumfriedung eingebaut (ortsübliche Verwendung von technischem Entwicklungshilfematerial). Und die halbwüchsigen Jungs werden wieder in der Mittagssonne rum lungern (vielleicht auch nicht, wir sind schon lange nicht mehr dort)

 
 
 

mitgedacht? - Ergebnis teilen:

Ihr Name:

Ihre E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht):

Ihr Kommentar:

Bitte füllen Sie alle Felder aus. Wir behalten uns vor unsachliche, beleidigende oder sonstwie rechtswidrige Beiträge zu löschen. Links werden entfernt, wenn sie, unserer Meinung nach, nicht dem Thema dienen.




Kommentare:


Christoph Prüm schrieb am 29.05.2016 um 17:20 Uhr

 

Sehr geehrter Herr Kapp,


danke für Ihren interessanten Beitrag! Wir sehen auch, dass die Ziele von Grundeinkommen und Grunderbe zumindest im Fernziel übereinstimmen. Es geht um die wirtschaftliche, und in Folge davon allgemeine Emanzipation und Freiheit des individuellen Menschen. Die Ansätze dazu sind, wie Sie richtig sagen, sehr verschieden. Es ist auch für uns durchaus denkbar, dass in einer zukünftigen Gesellschaft beides nebeneinander existiert und sich ergänzt. Wir wollen auch keine Front in Richtung Grundeinkommen aufbauen.


Ich denke, man muss aber schon ehrlicherweise eingestehen, dass das bedingungslose Grundeinkommen durchaus ein Angriff auf das geltende wesentliche Prinzip der Marktwirtschaft darstellt, dass der Lohn (oder Warenwert) ein entscheidender Lenkungsfaktor für die Produktion ist. Das muss in gewissem Maße ja nicht Schlimmes ein, aber man muss die Dinge dann auch beim Namen nennen. Es müsste sich dann auch erst noch herausstellen, ob die Gesellschaft diese Abkehr vom Leistungsprinzip mitmacht und aushält, und ob die Wirtschaft ohne diese Lenkungsfunktion nicht durcheinander kommt.


Diese Probleme hat das Grunderbe alle nicht, und rein von von der Finanzierung und den wirtschaftlichen Konsequenzen her, solle es also viel leichter umzusetzen sein. Aber es ist irgendwie für ein gewisses unselbstständig bleiben wollendes und Verantwortung scheuendes (oder auch nur Zwang scheuendes, wer weiß?) Publikum nicht so sexy wie das Grundeinkommen, das muss man erst mal so akzeptieren.


Ich würde mich sehr freuen, wenn wir die Diskussion auch mal live fortsetzen könnten.


Gruß, Christoph Prüm


Ulrich Kapp schrieb am 27.05.2016 um 10:14 Uhr

Ich glaube dass Grunderbe und Grundeinkommen zwei völlig unterschiedliche Ansätze sind, aber letztendlich in ihren Zielen übereinstimmen. Deshalb sollte man sie auch nicht getrennt betrachten, sondern sie zusammenfassen zu einer neuen gesellschaftlichen Utopie. Nennen wir es doch einfach Grundteilhabe und nehmen die kostenlose Teilhabe an grundlegenden kulturellen Errungenschaften (Theater, Konzerte, Kino, Radio, Fernsehen, Internet etc.) unserer Gesellschaft mit dazu.

 

Gemein ist beiden Ideen, dass es sich um Transferleistungen handelt.

Beiden gemein ist aber auch, und das ist wichtig, dass es um eine gerechtere Verteilung der Güter in der Gesellschaft geht, ohne dabei die Grundprinzipien einer freien Marktwirtschaft abzuschaffen

 

Während sich ein Grundeinkommen um eine gerechtere Verteilung der Gewinne aus dem Bruttosozialprodukt kümmert, kümmrt sich das Grunderbe um eine gerechtere Verteilung bestehender (historischer) materieller Reichtümer.

Warum sollen sich die beiden Ansätze gegenseitig ausschließen oder Konkurrenz machen? Ich bin der Meinung, dass nur im Zusammenspiel beider Ideen eine moderne soziale und demokratische Gesellschaft in Zukunft möglich sein wird. Die regelmäßig wiederkehrenden, systemimmanenten Krisen des neoliberalistischen Kapitalismus der letzten Jahre haben uns doch das Bedrohungsszenario für unsere demokratische Gesellschaft bereits deutlich genug vor Augen geführt.

 

Ein gesellschaftlicher Wandel muss dringend eingeleitet werden, mit aller pädagogischer Macht und allen Mitteln des demokratischen Wandels. Setzen wir uns gemeinsam für die einführung einer bedingungslosen Grundteilhabe ein!

 

Ulrich Kapp