Die Stakeholder-Gesellschaft
ein Modell für mehr Chancengleichheit
 
Bruce Ackermann und Anne Alstott
Campusverlag, Frankfurt
Übersetzt von Gabriele Ricke
 
Bruce Ackerman ist Sterling Professor für Recht und Politische Wissenschaft an der Yale Law School / USA.

Anne Alstott ist Professorin für Recht an der Yale Law School/USA.
 
Klappentext:
"Jeder Staatsbürger erhält bei Eintritt ins Erwachsenenalter 80000 Dollar, über die er frei verfügen kann, für deren Verwendung er aber auch verantwortlich ist. Diese Summe ist sein »Stake«, sein Anteil am Reichtum der Nation, der er angehört. Dieses Stakeholder-Modell gegen die neue Ungleichheit liefert verblüffende Anregungen für die Reform des Sozialstaats."
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Pressestimmen:
28.05.2003, Die Zeit
"Wie Alstott und Ackerman ihr Modell ausbuchstabieren, ist mitreißend [...] Weil sie politische und ökonomische Rechte miteinander verknüpfen, stehen sich in der Stakeholder-Gesellschaft nicht länger Habenichtse und Begüterte, Sozialhilfeempfänger und Vollzeitkräfte gegenüber, sondern Bürger, die ähnliche Startbedingungen hatten."
 
 
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Die Teilhabegesellschaft
Model eines neuen Wohlfahrtsstates
Gerd Grözinger, Michael Maschke, Claus Offe
Campusverlag, Frankfurt

Klappentext:
 
"Dass der Sozialstaat in seiner gegenwärtigen Form ein Auslaufmodell ist, darüber besteht mittlerweile weitgehend Konsens. Über die Alternativen wird noch gestritten. Zu den wohl provokantesten Alternativen gehört das Modell der Teilhabegesellschaft: Jeder junge Bürger soll mit 18 Jahren als Startkapital eine steuerfinanzierte Sozialerbschaft von 60 000 Euro erhalten. So soll ihr oder ihm die Chance eröffnet werden, seines eigenen Glückes Schmied zu sein. Die Finanzierung erfolgt aus der Besteuerung von Vermögen und Erbschaften. Die Autoren haben das in den USA entwickelte Modell auf die deutschen Verhältnisse übertragen und durchgerechnet.
 
In einem Anhang nehmen gesellschaftspolitische Vordenker aus Politik und Wissenschaft zu dem Vorschlag Stellung: Warnfried Dettling (CDU), Thomas Meyer (SPD), Ralf Fücks (Bündnis 90/Die Grünen), Katja Kipping (PDS), Jens Beckert (MPI Köln), Gert Wagner (DIW), Hildegard Nickel (Humboldt-Universität) und Wolfgang Schröder (IG Metall).
 
hier Blick ins Buch werfen (z.B. Inhaltsverzeichnis)
 
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zwei erste Bemerkungen zu beiden Büchern:
1)
Ohne behaupten zu wollen des Englischen ausreichend mächtig zu sein, (oder auch deshalb): Der Gebrauch des zentralen Begriffs „Stakeholder" bzw. „Stake" verwirrt gewaltig. Das gleiche gilt aber auch für den deutschen Titel "Teilhabegesellschaft".
 
Der Gebrauch des Wortes Stakeholder ist in den letzten Jahren oder Jahrzehnten aufgekommen als Gegensatz zu dem Begriff „Shareholder", der die Eigentümer eines Unternehmens meint. Dabei meint „Stakeholder" alle diejenigen, die ein berechtigtes Interesse an einem Unternehmen haben ohne Eigentumsanteile daran zu besitzen (Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner, die Gesellschaft). Also geht es im Grunde bei der Stakeholderdebatte auch darum die Eigentumsrechte des Shareholders irgendwie „anzubaggern", oder zumindest seine Willkür zu mäßigen.
 
Ähnlich impliziert das Wort „Teilhabegesellschaft" für mich nicht zwingend eine Eigentümergemeinschaft. Die Teilhaber einer Gesellschaft können Nicht-Teilhaber durchaus (gnädig etwas) daran teilhaben lassen, ohne ihnen die Rechte (und Pflichten) eines Teilhabers zu gewähren. Ziemlich genau das geschieht heute im (Polit-) Zirkus dieser Republik. Wir dürfen alle teilhaben wenn wir brav sind, aber die Teilhaber sagen wo es lang geht und machen das Geschäft.
 
Der große einfache Gedanke des Vorschlags der beiden Bücher ist doch gerade die echte Teilnahme und Teilhabe durch reale Eigentumsbeteiligung. Also warum nennen Ackermann/ Alstott ihr Buch nicht "The Shareholder-Society" und die deutschen Autoren ihr Buch nicht „Die Teilhabergesellschaft"? Warum halten sie sich (bewusst?) im Windschatten der Stakeholderdiskussion auf? Konterkarieren sie so nicht ihr eigenes Anliegen? Trauen sie sich nicht offen das Recht eines jeden Bürgers auf einen Eigentumsanteil an der Welt in die er geboren wurde zu formulieren?
 
 
„Model eines neuen Wohlfahrtstaates" ist das deutsche Buch untertitelt. Auch Ackermann/Alstott verstehen ihren Vorschlag als ein komplett neues Model der Gesellschaft, in der nicht nur ein sehr hoher „Stake", (nicht doch besser „share"?) ausgegeben wird, sondern auch umfangreiche Rückzahlungsreglungen und neue Besteuerungen geplant werden bis hin zu neuen Vorsorgekonzepten für das Alter.
 
Nach dem Fall der Mauer wird hoffentlich niemand mehr versuchen dieser Gesellschaft ein am Schreibtisch entstandenes komplettes „Neues Konzept" überzustülpen. Es kann nur Schritte geben, möglichst klare, einfach zu kommunizierende Schritte. Eine Vision darf jeder haben (ohne zum Arzt geschickt zu werden), aber in der Realität gibt es und darf es auch nur Schritte  geben. Einzelne kleine Schritte die möglichst von vielen nachvollzogen und gut geheißen werden können. Nach jedem Schritt kommen Andere, die eine neue Standortbestimmung vornehmen werden und neue Visionen mitbringen werden, oder die die unsere bestätigen und auf genau dem Wege fortschreiten werden. Soviel Bescheidenheit muss sein.
 
Unser Vorschlag eines kleinen Erbes für Jeden, das logischerweise von großen Erbschaften abgezweigt werden muss (und leicht kann, wegen seiner Mäßigung) ist ein solcher quantitativ kleiner, auf einen klaren Punkt zu bringender Schritt. Keine weiteren Änderungen wie Vermögenssteuern, Rückzahlungszenarien, Altersversorgung etc . werden benötigt. Alles andere kann unberührt bleiben. Qualitativ wird es ein großer Schritt sein, mit wahrscheinlich sehr segensreichen Auswirkungen. Eine Gesellschaft, die jedem Mitglied einen, wenn auch kleinen Eigentumsanteil am Gesamtvermögen per allgemeinem Recht der Geburt zugesteht, wird nicht mehr die gleiche sein wie die jetzige. Jeder weitere Schritt aber wird der nachfolgenden Generation überlassen sein müssen, die dann auf die Erfahrungen mit dem ersten kleinen Schritt bauen kann. Das geht uns dann definitiv nichts mehr an.
 
Als Vision kann man 60.000 € gelten lassen. Das wäre etwa ein Viertel oder Fünftel des jetzigen rechnerischen durchschnittlichen Erbes als „Pflichtteilsrecht". Aber für die praktische politische Umsetzung ist es zuviel.  Wenn es mehr werden soll, als die von uns vorgeschlagenen 15 oder 20.000€, dann muss sich die Gesellschaft dorthin entwickeln, auch mit ihrem Bewusstsein. Die Erkenntnis, dass der Wert des einzelnen Individuums nicht von seiner Abstammung bestimmt wird, und auch kein Erblasser in einem anderen Menschen weiterlebt und weiterleben kann, wird wachsen müssen. Die Zeit dazu und die Gelegenheit Erfahrung mit einem Grunderbe zu machen wird diese Gesellschaft sich nehmen, und wird man ihr zugestehen müssen, wenn man Erfolg haben will.
 
Klar muss auch sein: Es geht bei unserem Vorschlag eines allgemeinen Grunderbes nicht um ein "Model eines neuen Wohlfahrtsstaates", denn es geht hier überhaupt nicht um Wohlfahrt, sondern es geht um ein Recht. Es geht darum dem einzelnen Individuum zu seinem Recht zu verhelfen; es ungeachtet seiner sozialen Herkunft angemessen an der Welt zu beteiligen. Den Rest macht es alleine, es braucht keine Wohlfahrt.

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Im englischsprachigen Raum hat dieses Buch zu einer regen politischen Diskussion geführt, die in Großbritannien im Child Trust Fund
gemündet hat.

Es werden Ideen von Thomas Paine
aufgegriffen, weiterentwickelt und auf die aktuelle Zeit übertragen.

  

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 


"Es handelt sich nach dem Verständnis der Autoren bei der von ihnen vorgeschlagenen "Sozialerbschaft"  um den Ausdruck eines ökonomischen Bürgerrechtes, um die Garantie der materiellen Voraussetzungen für den Gebrauch der Freiheit. (...)
Ein Startkapital am Anfang für Ausbildung oder Studium, Existenzgründung oder als Vorsorge sei vernünftiger als die nachträgliche Kompensation sozialer Schäden."