2014-07-13

 
Audio, Zündfunk BR2 vom 20.07.2014:
Der Rockstar und die Reichen
 
Thomas Piketty, französischer Wirtschaftswissenschaftler kommt nach 25jähriger weltweiter Forschungsarbeit mit empirischen Daten zum Thema Reichtum zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • Reichtum und vor allem Superreichtum erzeugen eine Dynamik die dazu führt, dass die Lücke zwischen Armen und Reichen immer größer wird.
  • Diese Dynamik wirkt seit Jahrhunderten.
  • Die größte Ungleichheit der Vermögensverteilung bestand Anfang des 19.Jahunderts vor Ausbruch des ersten Weltkrieges
  • Der Glaube, dass sich Leistung lohnt, dass man sich aus eigener Kraft nach oben arbeiten könne ist generell ein Irrglaube.
  • Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, mit starkem Wirtschaftswachstum in der die heutige Mittelschicht entstanden ist, war eine historische Ausnahme. Der "Normalzustand" der Kapitatverteilung, nämlich der der extremen Ungleichverteilung stellt sich zur Zeit wieder ein.
  • Es ist eine Illusion zu glauben, dass irgendeine Eigenschaft des modernen Wirtschaftssytems oder die Gesetze des freien Marktes sicherstellen würden, dass die Ungleichheit der Vermögensverteilung weniger wird und eine harmonische Stabilität erreicht wird.
  • Die Ungleichheit nimmt seit 1970 wieder rasant zu

Piketty schließt aus seinen Daten, dass sich das Kapital immer dann konzentriert, wenn die Kapitalrendite (R) größer ist als das Wirtschaftswachstum (G). Das käme daher, weil ein größeres Wirtschaftswachtum ja auch immer höhere Löhne bewirke. 

Also: Ist R > G konzentriert sich das Vermögen. Bei der in der jetzigen Zeit abnehmenden Wirtschaftsdynamik und dem Versuch durch Begünstigung von Kapitalrenditen dem gegenzusteuern, ist die Ungleichheit bald wieder auf dem Stand vor dem ersten Weltkrieg.

Als Lösung schlägt Piketty eine hohe progressive Beteuerung großer Vermögen und Erbschaften vor, glaubt aber selbst nicht so richtig, dass diese durchsetzbar sind.

Immerhin scheint ihm die Möglichkeit bekannt zu sein, dass der Staat von den Vermögen und Erbschaften abgeschöpfte Mittel direkt an Ärmere ausschüttet. Wir werden ihn fragen.



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Kommentare:


Christoph schrieb am 15.07.2014 um 10:26 Uhr

An Sebastian:
ja, was einer verdient hat nach den geltenden Regeln und Steuersätzen gehört erst mal ihm. Darauf hat er ein Recht. Der Staat (die Gesellschaft) stellt mit den Steuergesetzen eine Regel auf (und gibt ein Versprechen): "Wenn du dich wirtschaftlich betätigst und Erfolg hast, dann gibst du XX% davon an die Gemeinschaft ab, der Rest gehört dir." Das ist ein Vertrag den der Einzelne mit der Gesellschaft hat. Über die Höhe der Steuersätze und progressiv oder nicht kann natürlich diskutiert werden, aber die werden irgendwann beschlossen und die gelten dann. Wenn der Staat danach kommt und bei denen, denen es gut gelungen ist Geld zu verdienen dann nochmal abkssieren will (Vermögenssteuer, Reichensteuer) dann ist das ein unfaires Nachkarteln, ein Vertrauensbruch. Oder anders gesagt: Wer nach den geltenden Regeln ein Vermögen verdient hat genießt Bestandsschutz. Soviel Rechtssicherheit muss sein.
Der Erbe dieses Erfolgreichen aber kann keinen Bestandsschutz einfordern, dazu fehlt ihm die die Leistung, bzw. die wirtschaftliche Tätigkeit die hier geschützt werden soll. Er hat auch keinen Vertrag mit der Gesellschaft, da ein Vertrag eine beiderseitge Leistung voraussetzt.
Ja der "Knackpunkt" liegt im Tod. Der Erbe ist nicht der Erblasser.

Sebastian schrieb am 15.07.2014 um 09:54 Uhr

Am Ende,wo es um die Lösungsansätze geht, merkt man klar, das es unklar wird, bzw. er sagt, dass er die optimale Lösung nicht hat, weil eine progressive Versteuerung (1 Mio – 1%, 2 Mio 2%, …) ihm nicht als (einfach) durchsetzbar erscheint.

Der Knackpunkt, den ich auch lange nicht richtig verstanden habe, liegt im Tod, wenn jemand sehr erfolgreich ist und viel verdient steht ihm das erstmal zu (natürlich gibt es auch hier Auswüchse). Aber wenn wir die richtige Einstellung zur Gesellschaft (und zur Familie) haben, gibt es nicht wirklich einen Grund „Kapital" mitnehmen zu wollen.

Und natürlich betrachtet auch kein Recht.